Jens Krüger

Amiga 2000 Restaurierung

Kleinanzeigen-Fund, Akkulauge, Badewanne, Kältespray — am Ende läuft er wieder.

Überblick

Vom „läuft bestimmt“ zum stabilen System

Der Amiga 2000 wurde als „funktionstüchtig, aber reinigungsbedürftig“ verkauft — Erbstück, Akku schon „ersetzt“, also quasi Profi-Service. Auf den Fotos sah man allerdings bereits: neue Batterie, alte Lauge, keine Reinigung. Das Ergebnis war erwartbar: er bootet erst mal, wird aber nach ein paar Minuten instabil. Hier ist der komplette Weg von der Abholung bis zum stabilen Dauerlauf, mit Bildern (klein auf der Seite, groß beim Anklicken).

Kurzüberblick
Ausgang
Bootet, wird nach 2–3 Minuten instabil
Problem
Akkulauge + korrodierter CPU-Sockel, später: Agnus thermisch
Fix
Reinigen, Sockel tauschen, Kickstart 1.3, Agnus ersetzen
Bilder: A2000/img1.jpegA2000/img20.jpeg

Bestandsaufnahme

Kleinanzeigen-„läuft“: Bootet, ja. Stabil, nein.

Story

Schauen wir uns mal dieses Amiga 2000 Komplettes an. Es stammt aus Kleinanzeigen und wurde dort als funktionstüchtig aber reinigungsbedürftig angeboten. Der Computer ist wohl ein Erbstück einer kürzlich verstorbenen Tante und soll jetzt mangels Interesse an Retro-Hardware verkauft werden. Der ausgelaufene Akku wurde schon durch einen neuen ersetzt. Sonst sollte alles klappen.

Oh, ha, da hat jemand also ohne viel Ahnung von der Sache einen Akku ersetzt aber das Board nicht gereinigt (soviel konnte man schon auf den Bildern sehen). Ich weiß aus der Vergangenheit, dass man die alten Akkus nur mit etwas Mühe, dem richtigen Equipment und Erfahrung gut abbekommt weil die Lötstellen total mit der Lauge aus dem Akku versaut sind und das Oxid darauf nur sehr schlecht die Wärme leitet. Aber irgendwie werden sie das offenbar geschafft haben. Da Rest der Lauge noch munter auf dem Board und der CPU rumätzt war klar, dass hier keine Profis am Werk waren, warum sie den Akku überhaupt getauscht haben ist mir ein Rätsel, aber auf Kleinanzeigen habe ich schon alles erlebt.

Die Geschichte mit dem Erbe bzw. Haushaltsauflösung habe ich schon häufiger gehört und das ist leider aktuell (Stand 2026) durchaus glaubhaft weil so langsam die älteren Benutzer aus den 70ern und 80ern aussterben. Beim Prädikat „Funktioniert“ bin ich schon vorsichtiger. Zum einen heißt das erst mal nur „hat in diesem Moment funktioniert“ zum anderen gibt es so viel was defekt sein kann und dennoch startet der Computer erst mal.

An dieser Stelle mein Lieblingssatz „Computer klappt die LED geht an“ dicht gefolgt von „Das Laufwerk ist ok, wenn man den Auswurfknopf drückt kommt die Diskette wieder raus“. Ich habe den Computer also abgeholt und direkt auf eine Vorführung verzichtet. Das kostet nur Zeit und richtig testen kann man da ohnehin nicht. Eigentlich ist das nur sinnvoll wenn man den Preis vor Ort noch etwas drücken möchte (irgendwas findet man immer was nicht klappt).

Ich habe den Computer also eingepackt und mit nach Hause genommen (img1). Normalerweise gehe ich solche Rechner direkt auseinander aber bei diesem war ich schon etwas neugierig, ob er wirklich direkt läuft also habe ich ihn mal angeschlossen. Zu meiner Verwunderung fahr er tatsächlich hoch und erste Tests sahen sehr gut aus (img2) aber es stellte sich schnell heraus, dass der Computer nach 2–3 Minuten instabil wurde. Also doch nicht alles ok und ein schneller Test vor Ort hätte das auch nicht ans Licht gebracht.

Zerlegen & Reinigen

Aufmachen, dokumentieren, neutralisieren — dann wird’s nass.

Zerlegen

Ok, also zur Routine übergehen und den Rechner aufmachen, XT-Karte raus, Netzteil mit Floppies raus und mal einen Blick auf die Platine werfen. Sah genau so aus wie beschrieben (img3 und img4; img4 ist Akku closeup); neuer Akku alte Lauge saut noch rum. Aber in der Tat sah das Board noch sehr gut aus. Echten Schaden hat die Lauge nur unter dem Akku angerichtet (das ist nicht schlimm, da laufen fast ausschließlich dicke Leitungen lang, die können das ab) und der CPU-Sockel ist korrodiert und sollte gewechselt werden.

Noch schnell ein Foto vom LED-Anschluss damit ich nicht hinterher wieder rumprobieren muss welches das richtige Kabel ist (img5) und raus mit dem Board. Falls jemand das hier liest und auch mal einen Amiga 2000 reparieren möchte, ein wichtiger Tipp für Anfänger: Zwei Schrauben hat Commodore Braunschweig beim A2000 versteckt (beim B2000 wurde das Konzept übernommen) eine der beiden Schrauben des linken Mausanschlusses und am Floppy-Anschluss hinten gehen auch durch und halten das Board fest.

Als nächstes holen wir mal den neuen Akku raus um das Board wirklich komplett stromfrei zu bekommen. Außerdem muss darunter die Lauge weg. Zu meiner Überraschung ist der alte Akku ordentlich aufgelötet worden. Das lag vermutlich daran, dass wirklich noch kaum Lauge ausgelaufen ist und somit die Lötstellen unter dem Board noch in sehr gutem Zustand waren. Wie schon erwähnt hat der CPU Sockel auf jeden Fall was abbekommen und auch die CPU selbst muss gereinigt werden (img6).

Neutralisieren

Als nächstes muss die Lauge neutralisiert werden, also Säure drauf, Essig hat hier gute Dienste erwiesen. Man sieht dann auch direkt wie die Rückstände mit dem Essig reagieren, u. a. sorgt das dafür dass sich noch ein bisschen mehr vom Lack von der Platine löst, das ist aber kein Problem sondern eher gut weil es zeigt, dass der Essig auch unter dem Lack die Reste der Lauge neutralisiert.

Als nächstes müssen wir die Säure wieder los werden, das Board vom Essiggestank befreien und auch den Staub der letzten 40 Jahre entfernen (wobei dieses Board tatsächlich nicht so schlimm verdreckt war, da habe ich schon ganz andere Systeme erlebt). Jetzt kommt also der Schock für viele Menschen: Der Computer geht in die Badewanne (img8 und img9). An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt das Elektronik generell wasserfest ist (auch bei mechanischen, geschmierten Bauteilen) so lange das System komplett stromfrei ist passiert da überhaupt nichts. Es ist natürlich nicht einfach zu garantieren, dass nicht irgendwo ein Kondensator noch aufgeladen ist aber bei einem Amiga 2000 ist da nichts was kaputt gehen wird.

Das ganze kommt also mit Reinigungsmittel in die Badewanne und bleibt da erst mal eine Weile liegen. Danach kommt alles wieder raus und sollte gut gespült trocknen. Wer ungeduldig ist kann auch einen Föhn oder einen Backofen zur Hilfe nehmen (den Backofen nicht gerade auf 180°C stellen aber auf niedrigen Temperaturen ist das kein Problem) am ehesten würde der Kunststoff nachgeben.

Nachdem das ganze gereinigt und getrocknet ist sieht es schon etwas besser aus. Schaden hat erst mal nur der CPU-Sockel und der Lack auf der 5V-Leitung abbekommen. Bei der Gelegenheit werfen wir auch mal einen Blick auf die Revision des Boards, wie man schon am Layout und an den Widerständen vorher gut sehen konnte ist das eine Rev. 4.1 (img11) also ein sehr altes A2000 Board.

Reparaturen

Sockel/ROM sind planbar. Agnus war der eigentliche Übeltäter.

Sockel & ROM

Das Board hat ein paar Probleme, die man aber leicht beheben kann. Alle Rev 4.x Änderungen kann man auch selbst durch umlöten, hinzufügen und entfernen von Bauteilen an diversen Stellen in ein paar Minuten machen. Ich wollte hier aber erst mal (fast) nichts verändern. Nachdem das ganze richtig trocken ist machen wir mal mit dem aktuellen Stand einen Test (img12). Dabei erwarte ich nicht dass sich irgendwas verbessert aber hoffentlich wird’s auch nicht schlechter. Genau das ist hier auch passiert, man merkt, dass der Kontakt der CPU nicht optimal ist — also Sockel raus und neuer rein (img13). Dabei sollte man hier extra vorsichtig sein, weil häufig die Lauge unter dem Sockel auch die Platine angegriffen hat, bei diesem Rechner war das jedoch erfreulicherweise nicht der Fall.

Wo ich gerade dran war habe ich auch den KickROM gewechselt. Dieser Amiga 2000 kam mit Rev. 1.2. Beim Amiga 500 ist das kein Problem aber gerade bei einem Amiga 2000 will man keine Version 1.2 drin haben. Diese hat nämlich einen Bug der bei (fast) allen Festplattenkontrollern das Booten verhindert und gerade bei einem Big-Box Amiga will man irgendwann eine Festplatte einbauen. Also kommt ein 1.3er ROM rein. Da laufen auch (fast) alle Spiele mit und man kann vernünftig von HD booten. Die CPU und den Akku bauen wir auch mal wieder ein (img14).

Agnus

Beim Akku bin ich immer etwas zwiegespalten, normalerweise setze ich den nicht ein weil in 20–30 Jahren der dann ja wieder ausläuft und man echt keine Uhr beim Amiga braucht. Aber jetzt hatte ich den nun schon hier rumliegen also kommt er erstmal wieder rein.

Nächster Test und … dummerweise ist das Problem mit der Instabilität nach ein paar Minuten nicht behoben. Glücklicherweise zeigt der Amiga aber ein recht reproduzierbares Verhalten wenn er einmal Probleme hat. In diesem Fall fällt irgendwann das Laufwerk aus und beim Neustart laufen zwar die ersten Tests durch (man sieht verschiedene Grautöne) aber das Kickstart Logo erscheint nicht.

Erst glaubte ich daher an ein Problem mit den CIAs aber die waren ok. Also sprühen wir mal — und zwar mit Kältespray. Das ist nicht leitend, man kann damit also auf einen laufenden Computer sprühen und mein nächster Test war direkt erfolgreich: Wenn ich den Agnus einfriere klappt der Computer sofort wieder.

Also Agnus raus (dazu braucht man unbedingt das richtige Werkzeug) und ein neuer alter rein (img15). Der stammt aus einem Rev. 5 A500 bei dem ich irgendwann mal das Board gründlich testen muss, jetzt ist der erstmal Ersatzteilspender. Bei diesem Amiga war das jedenfalls die Lösung. Nach dem Agnus-Wechsel klappt alles super und der Computer läuft auch über längere Zeit stabil.

Tests & Abschluss

Wieder zusammenbauen, Gehäuse putzen, RAM quälen, XT-Karte testen.

Zusammenbau

Jetzt wird er wieder zusammengesetzt (img16) und noch schnell das Gehäuse gereinigt (img17 und img18 zeigen die Umgebung um den Anschalter vor und nach der Reinigung) — haben die Menschen sich den damals nie die Hände gewaschen?

Tests

Und dann ein abschließender Test (img19 sehr langer RAM Test, img20 Test der XT-Karte). Alles klappt und wieder ist ein Amiga 2000 gerettet.

Galerie

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Amiga 2000 — img1 Amiga 2000 — img2 Amiga 2000 — img3 Amiga 2000 — img4 Amiga 2000 — img5 Amiga 2000 — img6 Amiga 2000 — img7 Amiga 2000 — img8 Amiga 2000 — img9 Amiga 2000 — img10 Amiga 2000 — img11 Amiga 2000 — img12 Amiga 2000 — img13 Amiga 2000 — img14 Amiga 2000 — img15 Amiga 2000 — img16 Amiga 2000 — img17 Amiga 2000 — img18 Amiga 2000 — img19 Amiga 2000 — img20

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