Commodore PC20-III
Akku raus, Lauge weg, Festplatte liebevoll überreden.
Ein günstiger „ungetestet“-PC mit zwei sehr typischen Baustellen.
Diesen Commodore PC20-III habe ich über Kleinanzeigen gekauft. Wie so oft stand in der Anzeige nur „ungetestet“, aber immerhin war der Preis entsprechend freundlich. Bei diesen Rechnern kann man heute praktisch davon ausgehen, dass der Akku für die RTC ausgelaufen ist. Die spannende Frage ist nur, wie viel Schaden er schon angerichtet hat.
Ich habe ihn deshalb gar nicht erst eingeschaltet, sondern direkt zerlegt, um den Akkuschaden zu prüfen und den Akku zu entfernen. Das war in diesem Fall die richtige Reihenfolge: erst retten, dann einschalten.
Der PC20-III ist ein IBM-PC-XT-kompatibler Rechner von Commodore. Typisch sind ein Intel 8088-1, 640 KB RAM, ein Faraday-FE2010A-Chipsatz, Onboard-Grafik mit Paradise-PVC4 und eine 20-MB-XTA-Festplatte. Die CPU kann je nach Modus mit 4,77 MHz, 7,16 MHz oder 9,54 MHz laufen.
Auf dem Gehäuse klebte noch der zeitgenössische Hinweis zur Festplatte: Vor einem Transport sollte sie mit
SHIPDISK in Parkposition gebracht werden. Schönes Detail am Rande: Der Aufkleber erwähnt sogar,
dass dieses Kommando im DOS-Handbuch nicht beschrieben und nicht auf der Systemdiskette enthalten war.
Außerdem besitzt das Board eine batteriegepufferte Echtzeituhr. Anders als bei späteren PCs hängt an diesem Akku aber nicht die gesamte Setup-Konfiguration. Ohne Akku läuft der Rechner weiter, nur Datum und Uhrzeit sind dann eben falsch.
Eckdaten abgeglichen mit Zimmers Commodore PC-Seite.
Akku
Bei diesem Modell schaut man besser sofort nach.
Bei den PC20-III kann man sich heute fast sicher sein, dass der Akku für die RTC ausgelaufen ist. Ich wollte also nicht erst testen, ob der Rechner vielleicht noch startet, sondern habe ihn direkt auseinander genommen. Wenn die Lauge noch aktiv ist, gewinnt man durch „nur mal kurz einschalten“ nichts.
Glücklicherweise hatte die korrosive Lauge hier eher einen kleinen kosmetischen Schaden auf der Platine verursacht. Sie hatte keine weiteren Bausteine erreicht, und auch die Leiterbahnen sahen noch in Ordnung aus.
Also raus mit dem Akku. Danach habe ich die alkalischen Rückstände mit Essigsäure neutralisiert und den Bereich anschließend gründlich gespült. Danach muss das Board wirklich sauber trocknen, bevor man wieder Spannung anlegt.
Das hier ist wieder nur meine Reparatur-Notiz zu genau diesem Rechner. Akku-Lauge arbeitet sich gerne unter ICs, Sockel und Leiterbahnen. Wenn dort schon mehr Schaden sichtbar ist, reicht oberflächliches Abwischen nicht aus.
Festplatte
Boot von Diskette klappt, von der Festplatte kommt erst einmal nichts.
Nach der Reinigung startete der Rechner tatsächlich. Von der Festplatte war allerdings nichts zu hören. Das wäre ärgerlich gewesen, denn diese alten XTA-Festplatten sind praktisch nicht mehr zu bekommen. Von Diskette bootete der PC20-III problemlos, und sonst verhielt sich alles wie erwartet.
Damit war klar: Der Rechner selbst lebt, aber die Festplatte hat ein größeres Problem.
Also habe ich die Festplatte geöffnet. Wie erwartet drehte sie sich nicht. Das kann bei Platten passieren, die jahrelang oder sogar jahrzehntelang nicht bewegt wurden: Der Mechanismus hängt einfach fest.
Also habe ich sie sehr vorsichtig von Hand angedreht. Und siehe da: Sie drehte anschließend selbst weiter. Nach einem schnellen Reset bootete der PC20-III tatsächlich wieder von der Festplatte.
Damit konnte alles wieder zusammengebaut werden. Kein dramatischer Platinen-Exorzismus, aber ein schöner kleiner Rettungsmoment: Akku entfernt, Board gereinigt, Festplatte wieder wach.
Bilder
Gehäuse, Board, Akkuschaden, erster Start und die wieder angelaufene Festplatte.