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Wenn das Netzteil nur noch klackt und der Lüfter kurz zuckt.
Ich hatte schon häufiger Probleme mit Netzteilen in Amiga-2000-Computern und habe die defekten Exemplare erst einmal auf einen Stapel gelegt. Es gab genug andere Baustellen und noch genug funktionierende Netzteile aus anderen Quellen. Aber irgendwann wird aus dem Stapel ein Vorwurf. Also: auf den Tisch damit.
Interessant war, dass mehrere Netzteile exakt dasselbe Verhalten zeigten: Sie funktionierten plötzlich nicht mehr, klackten beim Einschalten ungefähr zweimal pro Sekunde, und der Lüfter zuckte jeweils nur kurz an.
Diese Seite beschreibt nur meine Erfahrung mit meinen eigenen Netzteilen. Sie ist keine Reparaturanleitung und erst recht keine Aufforderung, ein Netzteil einfach nachzumachen oder auf Verdacht zu zerlegen.
Netzteile sind kein guter Einstieg ins Basteln. Auf der Primärseite liegen lebensgefährliche Spannungen an, und Kondensatoren können auch nach dem Ausschalten noch geladen sein. Wenn man nicht sicher weiß, was Primärseite und Sekundärseite bedeuten und wie man dort gefahrlos misst, sollte man das Netzteil geschlossen lassen und jemanden mit entsprechender Erfahrung fragen.
Dieses typische Klacken: an, aus, an, aus.
Bei meinen Amiga-2000-Netzteilen war das Muster auffällig gleich: Von heute auf morgen funktionierten sie nicht mehr. Beim Einschalten hörte man ein regelmäßiges Klacken, ungefähr zweimal pro Sekunde. Der Lüfter bewegte sich jedes Mal kurz, kam aber nicht wirklich in Gang. Danach wieder Klack. Wieder ein kurzes Zucken. Sonst nichts.
So etwas klingt natürlich erst einmal nach einem Schutzverhalten des Netzteils: Es versucht anzulaufen, erkennt ein Problem, schaltet wieder ab und probiert es erneut. Und weil die Netzteile vernünftig und trocken gelagert waren, lag der Verdacht nahe, dass ein gealtertes Bauteil schuld ist.
Bitte nicht einfach alles tauschen, nur weil irgendwo „Recap“ steht.
Im Internet liest man viel über Kondensatorprobleme in alten Netzteilen. Die Empfehlung „einfach mal alle Kondensatoren tauschen“ fand ich aber noch nie besonders hilfreich. Auch bei Amigas, Commodore 64 und ähnlichen Geräten wird aus meiner Sicht viel zu schnell pauschal empfohlen, alle Elkos zu ersetzen.
Ja, es gibt Kondensatoren, die richtig Ärger machen. Besonders die kleinen SMD-Elkos in moderneren Amigas wie dem A600 müssen raus, weil sie wirklich sehr häufig auslaufen. Aber ansonsten tausche ich lieber gezielt die Teile, die tatsächlich kaputt sind oder kurz davor.
Gerade wenn man nicht das passende Equipment oder noch nicht genug Erfahrung beim Auslöten hat, kann eine gut gemeinte Komplettkur schnell neue Schäden erzeugen: verkratzte Platinen, angehobene Pads oder beschädigte Durchkontaktierungen. Dann hat man nicht ein Problem behoben, sondern drei neue gebaut.
Also habe ich mir die Elkos in Ruhe einzeln vorgenommen. Aber bitte nicht eingebaut messen, wie man es leider in manchen Videos sieht: Beim Testen jagt man einen Strom in den Kondensator und damit auch in die umgebende Schaltung. Für eine sinnvolle Beurteilung muss das Bauteil raus.
Ich habe also vorsichtig einen Elko nach dem anderen ausgelötet und durchgemessen. Wie erwartet waren die meisten völlig unauffällig. Und dann war da genau einer, der eben nicht unauffällig war.
Ein einzelner 2200-µF-Elko mit Kurzschluss.
Der verdächtige Elko sitzt im Ausgangsbereich des Netzteils. Auf dem Foto ist er markiert: 2200 µF, und in meinem Fall schlicht kurzgeschlossen. Das erklärt das Verhalten sehr gut: Das Netzteil versucht zu starten, läuft gegen den Kurzschluss, schaltet ab und versucht es erneut. Das ist dann das regelmäßige Klacken.
Neuer Elko rein, Polarität beachten, noch einmal kontrollieren, dann vorsichtig testen: Das Netzteil startet wieder sauber. Kein Klacken, kein Zucken, sondern ein funktionierendes Amiga-2000-Netzteil.
Der auffällige Elko im Amiga-2000-Netzteil.
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