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Unfassbar verdreckt, Akku nur kosmetisch — dafür ein Floppy mit Bienenarchitektur.
Der Amiga 2500 ist im Prinzip ein Amiga 2000 mit eingebauter Turbokarte. Je nach Ausführung steckt dort eine andere Karte drin — dieses Exemplar hat eine 68030er. Der 2500 wurde nicht „ultra selten“ verkauft, ist heute aber trotzdem deutlich seltener als ein A2000. Als ich einen bei Kleinanzeigen sah, war klar: mitnehmen. Zustand: „Funktion unbekannt“, auf den Fotos aber eindeutig: sehr, sehr dreckig.
„Funktion unbekannt“ — aber manchmal ist Dreck ein Konservierungsmittel.
Auf den Bildern der Anzeige konnte ich schon erkennen: der Computer ist sehr dreckig. Vermutlich Keller, Garage oder ähnliche „Luftqualität“. Das muss nicht immer schlecht sein. Manchmal konserviert Staub die Hardware sogar ganz gut — und sie nimmt einem den Sauerstoff weg, den Korrosion so gerne hätte. Ich habe ihn abgeholt und erstmal grob abgewischt, damit man beim Tragen nicht nebenbei die komplette Umgebung in eine archäologische Ausgrabung verwandelt.
Und dann: Ich schalte ihn ein — und er startet direkt ohne Probleme von der Festplatte. Wie geil ist das denn. Manchmal ist Staub und Dreck tatsächlich praktisch. Außerdem kamen Amiga-2500-Systeme später als die ganz frühen Rev.-4.x-A2000-Boards auf den Markt, der Akku hatte also ein paar Jahre weniger Zeit, seine Lebensaufgabe zu erfüllen.
Übermütig wie ich bin, teste ich sofort die Diskettenlaufwerke. Das rechte macht unschöne Geräusche (→ reinigen), beim linken bekomme ich keine Diskette rein. Das hatte ich schon öfter: Etikettenreste, Metallklappen von 3,5"-Disketten, einmal sogar eine Telefonkarte. Hier musste also definitiv etwas raus.
Der ganze Computer wandert ins Badezimmer und wird zerlegt. Doppelt vorsichtig, damit der Dreck nicht vorzeitig abfällt und das Zimmer dekoriert. Das Board war so versaut: das muss raus (img2). Die Lauge hat sich freundlicherweise nur am vorderen Rand nach links und rechts bewegt — dort laufen dicke Leiterbahnen, die sind unempfindlicher.
Badewanne für Gehäuse und Board — Floppies dagegen lieber trocken operieren.
Das Board bekommt die Essig- und Badewannenbehandlung. Danach kann man wieder was erkennen (img4). Ein Blick auf die Stelle um den Akku (img5): hier ist zwar Lack angegriffen, aber es sieht nach „kosmetisch“ aus. Dass der Rechner mit Turbokarte und Erweiterungen startet, ist ein gutes Zeichen — um die CPU herum muss dann schon ziemlich viel noch in Ordnung sein.
Floppies gehen übrigens nicht in die Badewanne. Motoren und Mechanik mögen das gar nicht: trocknet ewig, Schmierung ist danach Geschichte. Also: Pinsel, Druckluft, Alkohol, punktuell schmieren — und nur dort nass, wo es wirklich sein muss.
Das Floppy wollte keine Diskette — und hatte dafür auch einen sehr guten Grund.
Dann Deckel runter beim linken Laufwerk (img8). Und ja: da ist etwas drin, das da nicht hingehört. Von vorne sieht man: da ist mehr als nur Staub (img9). Das gelbliche Zeug neben der Spindel fühlt sich an wie Mörtel.
Glücklicherweise habe ich einen Hobbyimker in der Familie: Das sind Röhren der Gehörnten Mauerbiene. Die Tiere sind knuffig — aber ihre Bauwerke blockieren leider 3,5"-Mechanik. Und ja: Beim Reinigen kommt mir auch noch eine Motte entgegen (img10). Ist das ein Amiga oder ein Zoo?
Ich entferne alles Sichtbare vorsichtig und mache beide Laufwerke sauber (img11). Leider: immer noch blockiert. Also: Mechanik runter (img12) — und siehe da, darunter war noch mehr Nest. Genau dort, wo es am meisten stört.
Also raus damit, mit Alkohol reinigen, neu schmieren und wieder zusammenfummeln (img13). Zum Vergleich das andere Laufwerk daneben (img14). Sah toll aus — lief aber immer noch nicht richtig. Irgendwas blockierte weiterhin den Schreib/Lesekopf. Also musste auch die Elektronik von unten runter.
Zwischendurch: die beiden Blenden dürfen einweichen (img15). Danach sehen sie wieder schön aus (img16). Und dann zurück zur harten Realität: Elektronik von unten ab (img17) — und auch dort fanden sich noch Reste vom Nest. Wieder reinigen, wieder schmieren, wieder vorsichtig zusammenbauen. Danach: beide Laufwerke wieder einbauen (img18).
Danach lief das linke Laufwerk endlich ausgezeichnet. Das rechte brauchte „nur“ die normale Reinigung/Fettkur — deutlich weniger Drama. In Summe: Ein Floppy-Service, der eher nach archäologischer Grabung als nach Wartung aussah.
Erst als A2000 testen, dann Turbo, dann alles rein, dann wieder zu.
Erst mal alles ohne Turbo-Karte testen — so, als wäre es „nur“ ein normaler Amiga 2000. Alles klappt ausgezeichnet (img19), der RAM-Test läuft durch (img20) und auch der Laufwerkstest (img21). Sehr gut: langweilig ist gut.
Dann noch die Unterseite vom Gehäuse: von hinten (img22) und dann ohne Dreck (img23). Oh man — hat sich in den 80ern eigentlich niemand die Hände gewaschen? Ich kann mich kaum noch daran erinnern. Der Bereich um den Einschalter ist das perfekte Biotop aus Staub und Fett, aber mit ausreichend Alkohol bekommt man auch das wieder weg.
Währenddessen laufen die Tests der Turbokarte durch: Karte läuft (img24) und auch der Speicher darauf (img25). Danach noch einmal Workbench starten (img26) und auf beide Floppies zugreifen (img27). Alles so, wie es sein sollte.
Zu guter Letzt kommen die anderen Erweiterungskarten wieder rein (img28): Grafikkarte, SCSI-Karte, Festplatte, mehr RAM. Dann alles wieder zumachen — und ein weiterer Amiga 2500 ist fertig.
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